Navigationslinks überspringen | Daten | Pioniere der Sozialwissenschaft | Andre Gingrich

Andre Gingrich

Andre Gingrich wurde 1952 in Wien als Sohn eines US-Staatsbürgers und einer aus dem Exil re-migrierten Österreicherin geboren. Er wuchs zweisprachig auf und besitzt beide Staatsbürgerschaften.

Nach der Matura 1970 studierte er Kultur- und Sozialanthropologie sowie im Nebenfach Soziologie und Arabistik an der Universität Wien, wo er 1978 mit einer Dissertationsschrift über die Wissenschaftsgeschichte der deutschsprachigen Völkerkunde promovierte. 1979 war er am Wiener Institut für Entwicklungsfragen tätig, bevor er 1980 eine Stelle als Assistent bei Prof. Walter Dostal (heutiges Institut für Kultur-und

Sozialanthropologie) antrat. Erste ethnographische Feldforschungen über Handwerksfamilien in Damaskus fanden 1980/81 und 1982/83 ihre Fortsetzung durch seine zentrale Mitarbeit am Dostal'schen FWF-Projekt über die Südwestprovinzen Saudi-Arabiens (al-Baha, Mekka, Asir und Najran) und durch erste Reisen in den Nordjemen (Provinz Sa'da, gemeinsam mit Johann Heiss, 1980 und 1983). 1986 führte er eine mehrmonatige Feldforschung bei den Munebbih des äußersten Nordwest-Jemen durch, auf der seine Habilitationsschrift über "Südwestarabische Sternenkalender" (WUV 1992) aufbaute.

Ab 1988 beteiligte sich Gingrich am Aufbau und an der Gründung des europaweiten Berufsverbandes seines Faches, der European Association of Social Anthropologists (EASA). Er wurde Founding Member der EASA-Gründungsversammlung 1989 in Castelgandolfo bei Rom, und fungierte zugleich als erster Review Editor des EASA-Journals "Social Anthropoloy/Anthropologie Sociale" (bis 1995). 1994 folgte er der Einladung zu einem einjährigen Forschungsaufenthalt an die School of Advanced Studies (SAR, Santa Fe NM), als deren wissenschaftlicher Berater er mehrere Jahre wirkte. 1995 bis 2003 war Gingrich für die Wenner Gren Foundation of Anthropological Research Inc. in New York tätig (Mitglied des wiss. Beirats und Vorsitz, Gutachtergremium), der weltweit größten privaten Forschungsstiftung der anthropologischen Disziplinen. 1998 folgte auf seine Bewerbung von den USA aus der Ruf zur Nachfolge von Prof. Dostal als Inhaber der Professur I am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien.

Kurz nach Erscheinen seines zweiten Buches "Erkundungen" (1999) wurde Gingrich mit dem Wittgenstein-Preis 2000 des FWF ausgezeichnet, aus dessen Mitteln er die damalige "Kommission für Sozialanthropologie" (KfSA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mit neuen Aktivitäten weiter entwickelte. 2003 wurde er zum wirklichen Mitglied der ÖAW ernannt, und 2007 zum Mitglied der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Die KfSA wurde unter seiner Leitung 2007 zum heutigen Institut für Sozialanthropologie (ISA) der ÖAW aufgewertet und seither ausgebaut.

In seinen Forschungen seit 1990 konzentrierte sich Gingrich primär auf vier Arbeitsbereiche. Die Arabien-Forschungen wurden durch Kooperation mit palästinensischen und saudischen Einrichtungen fortgesetzt; darüber hinaus befasste er sich seit 1999 vermehrt auch mit Fragen Kontinentaleuropas wie vor allem mit Rechtpopulismus und Neonationalismus (Gingrich und Banks, Hg. 2006) sowie weiterhin mit der Aufarbeitung der Wissenschaftsgeschichte des Faches im deutschsprachigen Raum. Das von ihm mit Fredrik Barth, Robert Parkin und Sydel Silvermann mit verfasste Werk "One Discipline,Four Ways" (Chicago University Press 2005) erhielt den "Choice Outstanding Academic Title Award" 2006 und liegt mittlerweile auch in polnischen, italienischen, spanischen und chinesischen Übersetzungen vor. Seit dem Erscheinen von "Anthropology, by Comparison" (hg. mit Richard Fox, Routledge 2002) hat er überdies kontinuierlich zu Fragen qualitativer Methoden in Ethnographie und Anthropologie weiter publiziert, darunter zuletzt als Beiträger zu mehreren britischen Standardwerken.

2008- fungiert Andre Gingrich als einer unter sechs Panel Chairs im Sozial- und Humanwissenschaftlichen Bereich des European Research Council (ERC).

Es sind keine Datensätze von Andre Gingrich am WISDOM archiviert.

Publikationen | Pionierinterview (Transkript) | Pionierinterview (Audio)