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Datenarchivierung – warum?

Es gibt zahlreiche Argumente, die für eine Dokumentation und Archivierung sozialwissenschaftlicher Daten sprechen.

  • Der Zugriff auf archivierte Datenbestände ermöglicht anderen ForscherInnen, mit den Daten zu arbeiten. Hochqualifizierte, anwendungsorientierte Forschung wird unterstützt
  • Datenarchive gewährleisten langfristige Verwahrung von Daten und schützen vor Schnelllebigkeit, Verlust, Zerstörung oder irreversibler Beschädigung der Daten. DatengeberInnen erfüllen durch die Abgabe der durch sie generierten Daten an ein Datenarchiv ihre soziale und intellektuelle Verantwortlichkeit für einen sicheren und dauerhaften Bestand der Daten.
  • Die Dokumentation und Archivierung von Forschungsdaten verschafft einen Überblick über die Forschungslandschaft und zieht qualitätssichernde Bestimmungen nach sich: Sie erhöht zum einen die Transparenz wissenschaftlicher Forschung und zum anderen deren Qualitätskontrolle. Mittels Archivierung können wissenschaftliche Ergebnisse auf ihre Richtigkeit geprüft werden, um fehlerhaften Aussagen entgegenzuwirken. Die Archivierung und ausführliche Dokumentation der Daten und des Forschungsprozesses fungieren als qualitätssichernde Maßnahmen. Die von Datenarchiven akzeptierten Daten garantieren hohe nationale und internationale Standards hinsichtlich Dokumentation und Datenaufbereitung. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die frühe Planung des Datenmanagements im Zuge des Forschungsprozesses von großer Relevanz.
  • Abgabe und Weitergabe der Daten für Sekundäranalysen können die hohen Kosten von Datensammlungen rechtfertigen. Die Kosten für die Verwahrung und Weitergabe der Daten werden vom Datenarchiv getragen, was DatengeberInnen zeitlich und finanziell entlastet.
  • Sichtbarkeit: Daten werden von Archiven durch Eintrag in den Archiv- und CESSDA-Onlinekatalog beschrieben und veröffentlicht, wodurch die Entdeckung dieser Datenressourcen ermöglicht wird. Datenkataloge beinhalten eine durchsuchbare Studienbeschreibung und unterstützen bibliographische Zitierung. DatengeberInnen können die Wertigkeit ihrer Forschungen durch eine kontinuierliche Sekundärnutzung demonstrieren. Dies kann Fördergeber beeinflussen, neue finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.
  • Professionelle Verwaltung: Archive bieten qualifizierte Unterstützung hinsichtlich dem Umgang mit Daten bei der Sekundärnutzung, dem Rechte-Management (Lizensierungsangelegenheiten), der Abnahme administrativer Belastungen der DatengeberInnen und der Beantwortung von NutzerInnenanfragen. Darüber hinaus gewährleisten Archive die Vertraulichkeit der Daten. Benutzungsvereinbarungen und Zugangskontrollen stellen sicher, dass nur autorisierten und registrierten BenutzerInnen Zugang zu den Daten ermöglicht wird.
  • Beratung: Verfahren, die im Zuge der Archivierung von Daten benötigt werden, verlangen Management-Standards, die auch während der Primäranalyse von Nutzen sein können. Archive stellen während des gesamten Projektzyklus Informationen zum Datenmanagement zur Verfügung. Da Standards hinsichtlich Datenstruktur und –format, Dokumentation und Metadaten von Beginn der Forschung an berücksichtigt werden müssen, können qualifizierte MitarbeiterInnen der Datenarchive während des kompletten Projektverlaufs Beratung und Auskunft geben: Von der Antragstellung, wenn Informationen hinsichtlich der Datengenerierung benötigt werden, bis zum Abschluss der Forschung, wenn es um die Abgabe der Daten an das Archiv geht.
  • Open Access: Durch die Zunahme institutioneller, nationaler und internationaler Datenrichtlinien wird die Weitergabe von Daten an ein Archiv zunehmend gebräuchlich. Dadurch wird die Verpflichtung erfüllt, (insbesondere mit öffentlichen Geldern finanzierte) Forschungsdaten für die wissenschaftliche Gemeinschaft verfügbar zu machen.
Vorteile der Sekundärnutzung empirischer Forschungsdaten

Das Interesse an der Wiederverwendung von Daten ist durch die gekürzten Finanzen und knappen Ressourcen der Forschung geweckt worden. Außerdem ist das Potential bereits bestehender Forschungsdaten noch lange nicht ausgeschöpft. Die Vorteile der Sekundärnutzung von empirischen Forschungsdaten sind in vielen Publikationen und Handbüchern diskutiert worden (bspw. Fienberg & Straf, 1985: Sharing research data. Washington: National Academy Press). Die Möglichkeit der Sekundärnutzung kann sowohl für die wissenschaftliche Gemeinschaft, als auch für einzelne ForscherInnen von großem Wert sein.


  • Potential der Sekundäranalyse für die Theorie- und Wissensproduktion: Sekundäranalysen regen die Vielfalt von Analysen und Stellungnahmen und die Diversität von Perspektiven an. Sie eröffnen neue Ideen und analytische Perspektiven zu Forschungsprojekten. Außerdem erlauben sie die Analyse der Daten im Hinblick auf ursprünglich nicht bedachte Kontexte und das Stellen von neuen Fragen an die Daten.

    Durch die Wiederverwendung von Forschungsdaten können neue theoretische Konzepte, welche in der primären Forschungsarbeit nicht behandelt wurden, im Mittelpunkt der Untersuchung stehen. Neue Fragestellungen an das Material heranzutragen oder Re-Analysen ermöglichen eine distanzierte und differenzierte Betrachtungsweise der archivierten Daten und eröffnen somit neue Perspektiven. Insbesondere in der qualitativen Sozialforschung können mittels SekundäranalyseTheorien generiert und verallgemeinert werden.

    Datenarchive stellen eine Plattform für multidisziplinäre Nutzung dar. Unterschiedliche Disziplinen können mit unterschiedlichen Konzepten, Fragen und Methoden an die Daten herangehen und interdisziplinäre Vergleiche motivieren.

    Durch den gezielten Vergleich von Forschungsdaten werden Theorien und Hypothesen geprüft und weiterentwickelt. Dabei ermöglichen archivierte Datensätze zu einer Thematik Vergleiche unterschiedlicher Art, bspw. regionale Vergleiche, Vergleiche verschiedener sozialer Gruppen und Milieus; aber auch historische Vergleiche. Neu erhobenes Datenmaterial kann mit älteren Daten verglichen werden und Replikationsstudien können auf Basis archivierter Daten durchgeführt werden.

    Mithilfe archivierter Forschungsdaten können Phänomene über längere Zeit untersucht werden, wie beispielsweise durch Zusammenlegung von archivierten Studien mit einer erneuten Erhebung. Außerdem ermöglicht der Zugriff auf Sekundärmaterial die Zusammenführung oder Verknüpfung unterschiedlicher Studien und somit die Durchführung ergänzender und/oder vergleichender Analysen sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene. Diese Vorgangsweise hat sich in der quantitativen Forschung durchgesetzt, wohingegen sie kaum in der qualitativen Forschung wiederzufinden ist.

  • Impulse für die Methodenentwicklung: ForscherInnen können in Hinblick auf bestimmte Datensätze unterschiedliche methodische Ansätze und Herangehensweisen diskutieren und Methoden verbessern bzw. neue Methoden generieren. Des Weiteren können Sekundäranalysen den Grundstein für die eigene Forschung legen, denn sie liefern Ideen für die Konkretisierung der Fragestellungen, das methodologische Vorgehen, die Auswahl von Erhebungs- und Auswertungsverfahren, und das Konzept des Forschungsdesigns. Aufwändige Erhebungen müssen nicht erneut durchgeführt werden und können als Wegweiser für neue Forschungen dienen. So kann effektiver auf altem Wissen aufgebaut und vertieftes Wissen erzeugt werden.
  • Schutz vulnerabler Populationen: Sekundäranalysen bieten sich besonders dann an, wenn man den Zugang zu seltenen Vorkommnissen und schwer zugänglichen Bevölkerungsgruppen anstrebt. Durch den Zugriff auf bereits archiviertes Datenmaterial wird sorgsam mit kleinen Populationen umgegangen, die möglicherweise dauernd zu denselben Forschungsthemen befragt und infolgedessen überlastet werden könnten.
  • Universitäre Ausbildung und Lehre: Die Einbeziehung bereits vorhandener Forschungsdaten in der akademischen Lehre ermöglicht eine umfassende Methodenausbildung der Studierenden. Die bedeutenden Schritte des Forschungsprozesses, von der Planung bis zur Realisierung des Vorhabens, werden für Studierende verdeutlicht und nachvollziehbar. Des Weiteren werden verschiedene Erhebungs- und Auswertungsverfahren veranschaulicht und können unter einem kritischen Blickwinkel betrachtet werden. Ein etabliertes Datenarchiv bietet Studierenden die Möglichkeit, auf eine Sammlung hochwertiger Daten zurückzugreifen, die einen Einblick in differenzierte Themenbereiche und methodische Ansätze gewährt. Durch den Zugriff auf die Forschungsdaten eines Archivs ersparen sich Studierende Zeit und Kosten einer erneuten Datenerhebung und können sich somit ausschließlich auf ihr theoretisches Vorhaben konzentrieren, anstelle sich mit den verbundenen Problemen einer erneuten Datenerhebung auseinanderzusetzen. Auch für kleinere Forschungsarbeiten, die eigentlich keine Datenerhebungsphase vorsehen, kann auf archivierte qualitative Daten zurückgegriffen werden.
  • Die Wiederverwendung empirischer Daten vermindert Kosten, die durch eine wiederholte Neuerhebung entstehen würden. Bestehende Ressourcen können gezielter eingesetzt werden, dadurch dass Daten nicht mehrfach erhoben werden.