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Dokumentation

In diesem Abschnitt befinden sich die Dokumentation abgeschlossener WISDOM Veranstaltungen. Power-Point-Präsentationen, Fotodokumentationen, Videomitschnitte und zusammenfassende Darstellungen der Veranstaltung finden Sie in den Untermenüs.


  • Data Documentation and Data Management Workshop

    Data Documentation and Data Management Workshop

    Am 14.04. und 15.04.2010 fand der Workshop "Datenmanagement und Datendokumentation" in Kooperation mit dem Graduiertenzentrum der Universität Wien für DoktorandInnen und interessierte ForscherInnen statt. Zwei ExpertInnen aus dem UK Data Archive (speziell: Qualitatives Datenarchiv ESDS Qualidata) gestalteten den zweitägigen Workshop, in dem es speziell um Datenmanagement während des gesamten Projektlebenszyklus, um Datendokumentation und Datenaufbereitung und wie dadurch die Qualität der eigenen Arbeiten verbessert werden kann ging.

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    Data Documentation und Management – nur lästig und sonst nichts?

    Daten haben also einen Lebenszyklus. Das war die erste Botschaft von Libby Bishop und Veerle Van Den Eynden – und wohl auch die wichtigste. Die beiden britischen Expertinnen wurden von WISDOM eingeladen, österreichischen WissenschaftlerInnen das Thema „Data Documentation and Management“ näherzubringen.

    Daten und ihr Lebenszyklus: Da dachte die Musikwissenschaftlerin an Partituren, der Politikwissenschafter an Wählerbefragungen, die Heil- und Sonderpädagogin an die Interviews mit äthiopischen Eltern und Kindern. Ich dachte an unser bildungspsychologisches Projekt und die bevorstehende Online-Befragung von rund tausend SchülerInnen. Unsere Daten sind also noch gar nicht auf der Welt – und dennoch dreht sich alles nur um sie. Welche Art von Daten beantworten unsere Forschungsfragen, welche Erhebungsmethode eignet sich am besten, wie können wir die Daten später analysieren und letztendlich publizieren? Das sind die Hauptfragen. Einverständniserklärung und Anonymisierung, Dokumentation und Transkription von Daten, Datenformate und Sicherung der Daten – das sind die lästigen Nebensachen. Zumindest waren sie es bis zu diesem Workshop, danach sah das wohl für viele TeilnehmerInnen anders aus.

    Klare Vorträge und durchdachte Übungen wechselten sich in diesem kurzweiligen Workshop ab. Wir bekamen Ideen, wie wir die Einverständniserklärung gestalten können, sodass die Befragten tatsächlich eine informierte Entscheidung treffen können. Wir lernten, auch sehr persönliche Interviews zu anonymisieren. Wir erinnerten uns, dass Daten nicht an uns einzelne WissenschaftlerInnen gebunden sind - mögliche Änderungen im Projektteam oder die professionelle Archivierung von Daten lassen die lästige Datendokumentation plötzlich zur Hauptsache werden. Auch erkannten wir, dass die zusätzliche Lagerung von Daten in einem Safe nicht paranoid sein muss sondern vor schmerzlichen Verlusten schützen kann – und: Die Übermittlung der Daten an Archive (data sharing) macht uns nicht nur unabhängig von vergänglichen Speichermedien sondern ermöglicht die erweiterte Datenanalyse durch KollegInnen. Der theoretische Input bekam praktische Relevanz als wir den Lebenszyklus unserer eigenen Daten skizzierten und das Datenmanagement planten. Data Documentation and Management wurde innerhalb von zwei Workshoptagen von einer lästigen Nebensache zur absoluten Notwendigkeit für ein erfolgreiches wissenschaftliches Projekt.

    Evelyn Bergsmann


    Präsentationen der LV-Leiterinnen:

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  • Konferenzbeiträge von WISDOM

    Konferenzbeiträge von WISDOM

    Die Archivierung und Sekundärnutzung sozialwissenschaftlicher Daten, insbesondere nunmehr auch qualitativer Daten wird im internationalen Kontext, aber auch in Österreich vermehrt diskutiert. WISDOM, als Schnittstelle für die Archivierung und Dokumentation sozialwissenschaftlicher Forschungsdaten in Österreich nimmt aktiv an diesem Diskurs teil und ist bemüht, zu einer offeneren Kultur des data sharing in Österreich und Europa beizutragen. Neben der Beteiligung an Arbeitsgruppen und der Unterstützung zentraler Dachorganisationen, wie CESSDA, gehören dazu auch Beiträge auf internationalen Konferenzen, Symposien, Tagungen sowie die Ausrichtung und (Mit-)Gestaltung von Workshops und Diskussionsrunden in kleinerem oder größerem Rahmen. Präsentationen und Beiträge von WISDOM MitarbeiterInnen werden hier zur Verfügung gestellt.

    • 4.-5.10.2011 Open Access Tage 2011, Regensburg: Unterstützung von Open-Data-Initiativen in Österreich. Voraussetzungen für die Archivierung und Vorteile der Wiederverwendung sozialwissenschaftlicher Forschungsdaten Andrea Smioski (Paper)
    • 22.-24.9.2010 SLLS Conference Cambridge: Archiving Qualitative Longitudinal Data. Potentials and restrictions for linking, sharing and reuse. Andrea Smioski (Poster)
    • 4.-6.5.2010 EUROQUAL Conference International Perspectives in Qualitative Research Methods, London: : Archiving Qualitative Longitudinal Data in Austria. Potentials and restrictions for linking, sharing and reuse. Andrea Smioski (Paper)
    • 2009-2010 Workshop qualitative und quantitative Datennetzwerke in Wien, Klagenfurt, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck. Andrea Smioski, Christian Bischof, Alice Ludvig, Andrea Marhali, Dina El-Najjar (Präsentation)
    • 21.-23.9.2009 EUROQUAL Conference Archives and Life-History Research, Madrid: Establishing a qualitative data archive in Austria. Andrea Smioski, Thomas Bendl (Paper und Publikation im FQS Online Journal)
    • 8.-10.6.2009 EUROQUAL Conference Ethics and Politics in Qualitative Methods, Warschau: Ethical Considerations of Archiving and Secondary Use of Qualitative Research Data. Andrea Smioski, Rudolf Richter (Paper)
    • 24.4.2009 Workshop Qualitative Longitudinal Research and Qualitative Resources in Europe: Mapping the Field and Exploring Strategies for Development, Bremen: Country Report Austria. Andrea Smioski (Publikation im IASSIST Journal, to be published 2011)
 
  • Workshop Cognitive Interviewing Skills

    Workshop Cognitive Interviewing Skills

    Am 1.12.2011 fand der Workshop " Cognitive Interviewing Skills " in Kooperation mit dem Graduiertenzentrum der Universität Wien für DoktorandInnen und interessierte ForscherInnen statt. Jo d`Ardenne, eine ExpertInnen vom National Center for Social Research (NatCen) gestaltete den Workshop, in dem es um kognitive Interviews als Methode zur Evaluation von Fragebögen ging.

    Kognitive Interviews gehören zu den wichtigsten qualitativen Testverfahren zur Evaluation von Fragebögen in der Phase der Fragebogenentwicklung und –erstellung. Es werden dabei die während des Antwortens bei den Befragten ablaufenden gedanklichen Prozesse (Frage verstehen; Informationen abrufen; entscheiden, wie geantwortet wird; Antwort geben) untersucht. Ziel ist es, Informationen zum Verständnis von Fragen und zum Beantwortungsprozess zu erhalten, um mögliche Probleme mit dem Fragebogen und deren Ursachen aufzudecken. So können Probleme bei Fragen aufgezeigt werden, die zum Beispiel auf ein unterschiedliches Begriffsverständnis, eine unklare Fragestellung oder die mangelnde Verfügbarkeit von Informationen zurückzuführen sind. Mit Hilfe kognitiver Interviews soll sichergestellt werden, dass auch tatsächlich erfragt und beantwortet wird, was ursprünglich beabsichtigt war.

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    Wie können standardisierte Fragebögen verbessert werden?
    Ein Kurzbericht des Workshops „Kognitive Interviews“

    „Kognitive Interviews“ bezeichnen ein qualitatives Verfahren zur Evaluation von quantitativen Umfragemethoden, v. a. von standardisierten Fragen in Fragebögen. Sie sind ein effizientes Werkzeug, um potenzielle Probleme zu identifizieren, Verbesserungen anzuregen und für höhere Datenqualität zu sorgen.

    Noch am Vortag stand die Durchführung der Veranstaltung wegen Flughafenstreiks in Großbritannien auf wackeligen Beinen. Die Vortragende Jo d’Ardenne vom National Centre for Social Research (NatCen) in London konnte jedoch pünktlich in Wien sein und der Workshop wurde wie geplant durchgeführt. Etwa zwanzig TeilnehmerInnen aus verschiedenen Disziplinen und mit unterschiedlichen methodischen Erfahrungen nahmen daran teil.

    Der Workshop vermittelte einen breiten Überblick über das Verfahren und die Techniken kognitiver Interviews. Eine theoretische Einführung stand am Beginn der gemeinsamen Arbeit. Es wurde diskutiert, warum quantitative Erhebungsinstrumente mit qualitativen Methoden vorgetestet werden sollten, welche Möglichkeiten für Pre-tests es gibt und worin die Stärken des kognitiven Verfahrens liegen. Im Anschluss wurden die wichtigsten Techniken kognitiver Interviews erarbeitet, wie observation, think aloud, probing, und welche Vorbereitungsarbeiten zu leisten sind. Ein weiterer Workshopaspekt betraf die Auswahl von Befragten und die Durchführung der Befragung selbst.

    Aufgelockert wurde der Workshop durch sehr viele praktische Beispiele, die die Vortragende aufgrund ihrer Expertise und Erfahrung gekonnt in den Vortrag einfließen ließ und so anschaulich auf die Fragen der TeilnehmerInnen eingehen konnte. Zudem gab es im Laufe des Tages zwei Übungsteile, im Zuge derer die Durchführung und Auswertung kognitiver Interviews ausführlich erprobt werden konnte: Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer wurde in die Gruppenarbeiten eingebunden und konnte sich in der Rolle des Interviewers, Interviewten und Beobachters versuchen.

    Der Workshop aus dem Bereich moderner, sozialwissenschaftlicher Methodik war wegen des englischsprachigen Charakters anspruchsvoll. Er punktete aufgrund der guten organisatorischen sowie inhaltlichen Vorbereitung und der aktiven Teilnahmebereitschaft der Beteiligten. Es wurde ein exzellenter Einblick ermöglicht, welches Potenzial in der Verbindung von qualitativen Verfahren und quantitativen Methoden in der empirischen Sozialforschung liegt. Für eine nachhaltige Wirkung sorgen die umfangreichen Unterlagen bestehend aus Vortragsfolien, Beispieltexten und Beispielsvorlagen.

    Gert Lang


    Programm Cognitive Interviewing Skills und Folien Cognitive Interviewing Skills

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  • Workshop Secondary Analysis of Qualitative Data

    Workshop Secondary Analysis of Qualitative Data

    Am 26.04.2012 fand der Workshop "Secondary Analysis of Qualitative Data" in Kooperation mit dem Graduiertenzentrum der Universität Wien für DoktorandInnen und interessierte ForscherInnen statt. Paul Thompson, emeritierter Professor für Soziologie und Gründer der beiden größten Sammlungen von Interviews in Großbritannien (National Life Stories & Qualidata), und Mandy Winterton, Dozentin für Soziologie und Mitarbeiterin in unterschiedlichen Sekundäranalyse Projekten im UK, gestalteten den eintägigen Kurs.

    Der Workshop führte in die Methode der qualitativen Sekundäranalyse ein und thematisierte das steigende wissenschaftliche Interesse an der Wiederverwendung bereits vorhandener qualitativer Daten. Denn qualitatives Datenmaterial ist inhaltlich reichhaltig und kann in der Primärforschung meist nicht erschöpfend ausgewertet werden. Zunehmend erkennt man das Potential der Wiederverwendung qualitativer Daten. Deren Vorteile sind zahlreich, sei es die Reanalyse und Weiternutzung der Daten hinsichtlich neuer Forschungsfragen, die Verwendung bestehender Daten als Ausgangspunkt für neue Studien, der Vergleich älterer Daten mit neuen Erhebungen oder auch der Bezug auf bestehendes Datenmaterial mit dem Ziel methodischer Weiterentwicklung. Sozialwissenschaftliche Datenarchive ermöglichen den Zugang zu qualitativen Daten, aber auch Daten von KollegInnen oder die eigenen Daten werden immer öfter einer weiteren Analyse unterzogen. Hinsichtlich methodischer Zugänge und Ansätze stellen sich aber auch neue Herausforderungen bei der Wiederverwendung. Insbesondere die Spezifität und die Kontextgebundenheit qualitativer Daten sind wichtige Themen und damit die umstrittene Frage, wie und unter welchen Umständen ForscherInnen, die nicht selbst an der Primärforschung beteiligt waren, Daten weiter nutzen und unter einem neuen Fokus analysieren können. Nicht nur methodische, aber auch ethische Fragen tauchten im Umgang mit fremdem Datenmaterial auf. Durch die Kombination theoretischer Inputs seitens der Vortragenden sowie praktischer Übungen mit archiviertem Datenmaterial konnte den TeilnehmerInnen Potenziale und mögliche Schwierigkeiten der Sekundäranalyse näher gebracht werden.

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    Ein Kurzbericht des Workshops “Secondary Analysis of Qualitative Data”

    “For your PhD project seriously you can only conduct 30 in-depth interviews by yourself. So why not enlarge your data with the secondary analysis of already existing data?”

    Dieses Statement des britischen Gastvortragenden und Soziologen Paul Thompson, der die Methode der Sekundäranalyse qualitativer Daten bereits über 20 Jahre entwickelt und lehrt, hat mich überzeugt! Die Nutzung von bereits erhobenen qualitativen Daten unserer FachkollegInnen kann Sinn machen und bereichert die eigene Forschung um vielerlei Aspekte. In seinem Vortrag führte Prof. Thompson die rund 15 PhD StudentInnen in die methodischen und analytischen Potentiale, aber auch die damit verbundenen Schwierigkeiten, der Secondary Analysis ein.

    Qualitative Daten deren Interpretation im Forschungssetting nie ausgeschöpft werden kann, der breiten Fachöffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, hat zum Aufbau von Online-Datenbankarchiven geführt. Solche Datenarchive wie Qualidata, Timesscapes oder WISDOM wurden in diesem Workshop vorgestellt und in ihrer Anwendung erklärt.

    Im zweiten Gastvortrag präsentierte Mandy Winterton das Timesscapes Projekt und machte darauf aufmerksam, wie wichtig der Erhebungskontext, das richtige Sampling und die Qualität der Datendokumentation bei der Sekundäranalyse sind.

    Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurde der Workshop interaktiv. Die StudentInnen stellten Überlegungen an, wie diese Methode in ihrem eigenen Forschungsprojekt einzubauen wäre und in Gruppenarbeit versuchte man sich an Samples aus der Timesscapes Datenbank. Es stellte sich heraus, dass die meisten Wiener KollegInnen noch keine Erfahrungen in der Arbeit mit Sekundärdaten gesammelt haben. In der anschließenden Diskussion wurden Fragen über die Autorenschaft der veröffentlichten und freigegebenen Daten aufgeworfen, wie auch Fragen zur Gültigkeit des consent der InformantInnen. Man gelangte zu der Erkenntnis, dass diese Methode zur Standardisierung der Datendokumentation und zu einem längst fälligen Qualitätsmanagement in der qualitativen Sozialforschung führen würde.

    Der Workshop war sehr gut organisiert und wurde durch viele Unterlagen ergänzt. Die Diskussion mit den internationalen Gästen empfand ich als sehr interessant und kollegial. Das Fazit dieses Workshops war für mich, dass es sich in der eigenen Forschung immer nachzufragen lohnt, ob sich die eigenen Daten mit Sekundärdaten, die durchaus leicht aus dem Netz zu recherchieren sind, gut ergänzen lassen würden. Die Intention der Veranstalter WISDOM und Graduiertenzentrum SOWI, nämlich die sozialwissenschaftlichen NachwuchswissenschafterInnen mit dieser - für den deutschsprachigen Raum noch relativ unterrepräsentierten - Methode bekannt zu machen und zu begeistern, ist mit Sicherheit gelungen.

    Aline Ehrenfried


    Programm: Secondary Analysis Workshop

    Präsentationen der LV-Leiterinnen:

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  • Podiumsdiskussion „Open Access für Forschungsdaten?“

    Podiumsdiskussion

    “Vertrauen und Betrug in der Wissenschaft – Open Access für Forschungsdaten“

    Video wird geladen ... (FLV-Format, 11 MB)

    Das Wiener Institut für sozialwissenschaftliche Dokumentation und Methodik (WISDOM) hat am 16.04.2010 zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Vertrauen und Betrug in der Wissenschaft – Open Access für Forschungsdaten“ im Weltspracheninstitut geladen. Als DiskutantInnen nahmen an der Veranstaltung folgende WissenschaftlerInnen bzw. InstitutionsvertreterInnen teil: Dr. in Libby Bishop (UK Data Archiv), Univ. Prof. in Dr. in Ulrike Felt (WIFO), Univ. Doz. Dr. Karl Müller (WISDOM), Univ. Prof. Dr. Rudolf Richter (Fakultät f. Sozialwissenschaften, Uni Wien), Dr. in Andrea Schmölzer (BMWF), Dr. in Veerle van den Eynden (UK Data Archiv)

    Eingangs erfolgte eine Vorstellung der DiskutantInnen mit einem abschließenden persönlichen Statement zur qualitativen Datenarchivierung und Open Access Policy. Dabei geben die beiden Britinnen einen Einblick über ihre Erfahrungen mit qualitativer Datenarchivierung, die u.a. auf eine nationale Datenarchivierungspolitik zurückzuführen ist, nach der ForscherInnen aus öffentlich geförderten Projekten dazu verpflichtet sind, ihre Daten dem Datenarchiv anzubieten. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass in UK vor Implementierung einer Datenpolitik die gleiche Debatte um „Für und Wider“ einer qualitativen Datenarchivierung stattgefunden hatte.

    Dekan Univ. Prof. Dr. Rudolf Richter sprach über seine Erfahrungen mit Datenarchivierung in Bezug auf das fakultätsweite Projekt zur Archivierung qualitativer und quantitativer Daten (in Kooperation mit Wisdom) und stellte die Diversität qualitativer Daten in Blickpunkt. Er warf dabei die Frage nach der unterschiedlichen Verwertbarkeit in Bezug auf qualitative Daten auf. Sinnvoll erscheint nach seiner Meinung die Archivierung größerer qualitativer Datensätze für internationale Vergleichsstudien.

    Univ. Prof.in Dr. in Ulrike Felt nahm als Wissenschaftlerin und Leiterin des Wissenschaftsforschungsinstituts eine kritische Haltung aufgrund offener Fragen zur Datenanonymisierung, Umgang mit „sensiblen“ Daten, fehlender Qualitätskontrolle sowie abwesender Einbindung von Seiten der Scientific Community in eine Open Access Policy ein. Weiters wies sie in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit einer Einbettung des Bereichs Datendokumentation und Management in die Lehre hin.

    Als Vertreterin des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung (Bereich Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften) stellte Dr.in Andrea Schmölzer eines vorläufigen Arbeitspapiers zur geplanten Open Access Policy vor, das zukünftig eine Datenarchivierung für drittmittelgeförderte Projekte des BMWF in Aussicht stellt. Demnach sollen Daten öffentlich geförderten Projekte innerhalb von drei Monaten nach Beendigung archiviert werden. Bei Neuanträgen soll von Seiten der ForscherInnen verpflichtend vorab recherchiert werden, ob die zu Erhebung geplanten Daten bereits vorhanden und in Archiven zugänglich sind.

    Daran anknüpfend wurde das Thema Top-Down-Policy der Fördergeber und deren Konsequenzen auf die Einstellung der Scientific Community zu Open Access und Datenarchivierung diskutiert. Dabei wurde u.a. die Frage nach der Sinnhaftigkeit bzw. des Potentials für eine Bottom-Up Diskussion zum Thema gestellt. Im Interesse der Scientific Community wäre demnach die Vorgansweise wie bisher, d.h. eine Datenarchivierung nach dem Prinzip der Freiwilligkeit. Als Gründe dafür wurden in erster Linie vermehrter Zeitaufwand zur Datendokumentation und –management, eine Einschränkung der wissenschaftlichen Freiheit (in Bezug auf Datengenerierung), Beschränkung der finanziellen Mittel bzw. Zwang zur Verwendung von vorhandenen Daten für Sekundäranalysen angeführt.

     

    Dem gegenüber gestellt wurden von Seiten der britischen Daten - Managerinnen, dass durch Datenarchivierung auch Studierenden, die nicht selbst an Projekten bzw. Forschungsinstituten tätig sind Zugang zu einem Datenpool für vergleichende bzw. Sekundäranalysen haben. Weiters garantiert eine Archivierung der Daten den InformantInnen, dass ihre Daten ausgiebig wissenschaftlich genutzt werden. In Bezug auf Kosten und Mühen wurde im britischen Datenarchiv die Erfahrung gemacht, dass Fördergeber bereit sind, Kosten für Datenarchivierung mit zu finanzieren und dass der finanzielle und zeitliche Aufwand umso geringer ist, je früher im Projektprozess eine spätere Archivierung mit berücksichtigt wird.

    Weitere Bedenken gegenüber einer Datenarchivierung qualitativer Daten wurden in Bezug auf Forschungsethik angemeldet. Dies trifft vor allem auf schwer zugängliche Untersuchungsgruppen, wie auch auf sensible Forschungsthemen im Zusammenhang mit Krankheit, etc. zu. In diesem Zusammenhang die Frage kontroversiell diskutiert, ob durch die Einholung einer Zustimmung zur Datenarchivierung im Vorfeld der Zugang zum Feld erschwert bzw. unmöglich wird und ob sich sensible Daten, die aus einer „Vertrauensbeziehung“ zwischen ForscherIn und Befragter/m entstehen ohne dieses Kontextwissen bzw. –erfahrungen überhaupt für Sekundärdatenanalysen eignen.

    Erfahrungen des britischen Datenarchivs zeigten, dass ForscherInnen mit ihrer Einschätzung darüber, ob StudienteilnehmerInnen einer Datenarchivierung zustimmen, oftmals falsch liegen. Wurden die TeilnehmerInnen (oftmals nach Abschluss der Studie) von Seiten des Datenarchivs zur Freigabe der Daten gebeten, war dies in einigen Fällen problemlos möglich, wenn auch vorab von Seiten der ForscherInnen als unmöglich erachtet. Durch diese Praxisbeispiele angeregt wurde die Position mancher ForscherInnen thematisiert, die generierte Daten zum Teil als „persönliches Eigentum“ sehen und möglicherweise auch aus diesem Grund die InformantInnen vorab aus der Diskussion um eine mögliche Datenarchivierung ausschließen.

    Von Seiten der Scientific Community wurde auch der Zugang zu den Daten in Bezug auf nicht formalisierte Zugriffsberechtigungen und damit zusammenhängend Sicherheitsrisiken angesprochen. Kritisiert wurde dabei vor allem, dass mit der Implementierung einer Datenpolitik von Seiten der Fördergeber begonnen wurde, bevor noch die notwendigen rechtlichen Grundlagen geklärt sind (z.B. wer Zugriff zu den Daten erhalten wird) und Konsequenzen für die Community durchdacht wurden, wie beispielweise eine Sensibilisierung der Studierenden darüber, was es bedeutet, wenn erhobene Daten archiviert und anderen ForscherInnen zugänglich gemacht werden. Dies wurde auch vor dem Hintergrund des Betreuungsschlüssels an Österreichischen Universitäten und die daraus resultierende Sozialisation in die Wissenschaft (im Vergleich zu Großbritannien) diskutiert.

    In Bezug auf die Frage der Nützlichkeit archivierter Daten und wer die Usergruppen sind, wurden Zahlen des britischen Datenarchivs genannt, nachdem deren Daten vornehmlich von StudentInnen genutzt werden (ca. 2000 Zugriffe im letzten Jahr), wobei die Sekundärnutzung quantitativer Daten bei weitem höher liegt. Darüber hinaus wurden im Bereich der Forschungsdokumentation 15.000 Downloads (qualitative und quantitativ) getätigt. Werden Daten für eine Sekundärdatenanalyse genützt, gibt es eine genaue Beschreibung, wie die Primärstudie richtig zu zitieren ist (Zitierung ist verpflichtend). Dabei wurde auch auf die aktuelle Diskussion innerhalb der britischen Scientific Community hingewiesen, in der vorgeschlagen wird, auch das zur Verfügung stellen von Daten, ähnlich wie Publikationen einen Impactfaktor erhalten sollen.

    Die abschließenden Statements unterstrichen u.a. die Möglichkeit der freiwilligen Entscheidung der InformantInnen zur Archivierung ihrer Daten, die Bedeutsamkeit der Debatte innerhalb der Scientific Community, die Frage nach Qualitätskriterien für zu archivierende Daten und die Dringlichkeit einer Datenpolitik nach einem Best-Practise-Modell. Zum Seitenanfang

  • Podiumsdiskussion „Sozialwissenschaften im Rückblick - PionierInnen berichten“

    Podiumsdiskussion

    „Sozialwissenschaften im Rückblick - PionierInnen berichten“

    Das Wiener Institut für sozialwissenschaftliche Dokumentation und Methodik (WISDOM) hat am 26.04.2012 zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Sozialwissenschaften im Rückblick. PionierInnen berichten“ im NIG geladen. Eingangs erfolgte eine Begrüßung aller TeilnehmerInnen und die Vorstellung der Diskutanten durch die Moderatorin MMag. Andrea Smioski (WISDOM). Die Veranstaltung richtete den Blick von der gegenwärtig schwierigen Lage der Sozialwissenschaften aus in die Vergangenheit. Die renommierten Forscher Univ. Prof. Dr. Paul Thompson (UK) und Univ. Prof. Dr. Anton Amman (Österreich) gaben aus ihrer biografisch gefärbten Perspektive Einblicke in die jüngere Geschichte der Sozialwissenschaften. Auch die Fragen, inwieweit sich die britische sowie österreichische Forschungslandschaft mittlerweile verändert hat, wie sich Arbeits- und Forschungsbedingungen sowie das Zusammenwirken von Wissenschaft und Politik heute gestalten und welche Zukunft der Forschungsstandort Österreich hat, wurden diskutiert.

    Analog zu einer Initiative, die vom britischen qualitativen Datenarchiv ESDS Qualidata durchgeführt wird, arbeitet WISDOM an dem Projekt „Pioniere der Sozialforschung“. Univ. Prof. Dr. Paul Thompson, ehemaliger Direktor des ESDS Qualidata und emeritierter Professor für Soziologie an der University of Essex, stellte das britische Pionierprojekt vor. Datensammlungen renommierter britischer SozialwissenschaftlerInnen werden am ESDS Qualidata aufbereitet, dokumentiert und archiviert. Diese werden für eine Sekundärnutzung für andere ForscherInnen bereitgestellt. Das Herzstück der Auseinandersetzung mit dem/der jeweiligen ForscherIn ist ebenso ein lebensbiografisches Interview, das bis zu mehreren Stunden dauern kann. Die ForscherInnen sprechen darin über die Bedeutung ihrer Herkunftsfamilie, ihr Aufwachsen, intellektuelle Einflüsse, persönliche Interessen, ihre Studienzeiten, die wissenschaftliche Laufbahn sowie die wichtigsten Forschungsprojekte und deren Entstehungshintergrund. Anhand der geführten Interviews und der archivierten Forschungsdaten wird ein Einblick in die Entstehung sozialwissenschaftlicher Methodologie und deren Anwendung gegeben, aber auch welche Bedingungen gegeben werden müssen, um exzellente Forschung zu betreiben, und wie sich die Forschungslandschaft entwickelt und verändert hat.

    Univ. Prof. Dr. Anton Amman rekonstruierte anhand persönlicher Erinnerungen die Entwicklung der sozialwissenschaftlichen Forschungslandschaft in Österreich. Das Studium der Soziologie begann er im Jahre 1967 an der Universität Wien. Er hatte schon am Anfang seiner Studienzeit ein ausgeprägtes Interesse an empirischer Sozialforschung entwickelt. Schon während seiner Studienzeit wurde Univ. Prof. Dr. Amman die Mitarbeit an wissenschaftlichen Projekten ermöglicht. Der frühe Einstieg in die Forschung ebnete den Weg für eine wissenschaftliche Karriere.

    Die 60iger Jahre beschrieb er als eine Zeit wo die empirische Sozialforschung noch nicht massenhaft verbreitet war. Im deutschsprachigen Raum war wenig über sozialwissenschaftliche Methodologie publiziert worden, sodass man gezwungen war sich mit englischsprachiger Literatur zu befassen. Ebenso war die empirische Sozialforschung in wenigen Projekten an der Universität wiederzufinden. Die 60iger Jahre waren noch von der Vorstellung geprägt, dass sozialwissenschaftliches Forschung dazu eingesetzt werden konnte, um soziale Probleme zu eruieren und geeignete Lösungsansätze dafür zu finden. Zur gleichen Zeit wurden die Sozialwissenschaften auch im UK aus der Perspektive “the new salvation of social problems“ betrachtet.

    Anfang der 70iger Jahre ergab sich eine positive Wende für die österreichische Sozialforschung, weil sich sowohl auf staatlicher als auch auf politischer Ebene die Überzeugung durchsetzte, dass sozialwissenschaftliche Forschung und ihre Erkenntnisse sinnvoll für die Steuerung gesellschaftlicher Prozesse eingesetzt werden konnte. Die Finanzierung sozialwissenschaftlicher Projekte konnte durch die Erreichung gesellschaftspolitischer Ziele öffentlich legitimiert werden. Auf der Universität kam es zu einer Herausbildung von Forschungsschwerpunkten und es wurden bedeutende außeruniversitäre Forschungsinstitute in Österreich, wie bspw. das Institut für höhere Studien, gegründet.


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    In den 80iger Jahren stellten die Politik und die Öffentlichkeit die Frage in den Raum, was der Sinn wissenschaftlicher Forschung eigentlich sei? Aus einer ökonomisch gesteuerten Perspektive führte dies zu einer Unterteilung in nutzvolle und weniger nutzvolle Fächer und somit zu einer gewissen abwertenden Bedeutung sozialwissenschaftlicher Disziplinen. Diese ökonomische Nutzendiskussion im wissenschaftlichen Diskurs wurde ab dem neuen Jahrtausend von der Politik verstärkt ins Auge gefasst. Ökonomische, medizinische und technische Fächer wurden in der wissenschaftlichen Landschaft höchste Priorität zugeschrieben, weil in ihnen große Entwicklungspotentiale mit finanziellem Gewinn gesehen wurden. In diesem ökonomisch orientierten wissenschaftlichen Diskurs sind insbesondere die Geisteswissenschaften hoffnungslos in eine mindere Position geraten. Ebenso war die Soziologie davon betroffen, weil sie noch den Geisteswissenschaften hinzugeordnet wurde. Die Soziologie in Österreich ist weder aus einer angewandten Forschungstradition noch aus empirischer Sozialforschung heraus entstanden, sondern ist zurückblickend das Produkt unterschiedlicher Wirtschafts- und Sozialphilosophien. Die Soziologie wird daher primär mit den Geisteswissenschaften identifiziert. Außerdem hat die Soziologie als Fach in Österreich nie eine bedeutende Rolle gespielt und konnte sich auch deshalb in der Diskussion von ihrem Nutzen nicht durchsetzen. Univ. Prof. Dr. Amman beschrieb die momentane politische Lage für sozialwissenschaftliche Forschung in Österreich als erschütternd. Die letzten Jahre haben für die Sozialwissenschaften in Österreich gravierende finanzielle Kürzungen gebracht, unter denen viele Universitätsinstitute und auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen schwer zu tragen haben. Leider wird in wissenschaftliche Forschung nur dann investiert, wenn ihr ein ökonomischer Nutzen zugeschrieben wird. Ein gewisser Liberalismus, welcher für die Entwicklung der europäischen sozialwissenschaftlichen Tradition von Bedeutung war, sei in Misskredit durch den sogenannten Thatcherismus und Reaganomics geraten. In diesem Zusammenhang wurde das Thema der Globalisierung und deren Effekte auf die britische sowie österreichische wissenschaftliche Forschung im nationalen und internationalen Diskurs aufgegriffen.

    Rückblickend war für Frauen sowohl im UK als auch in Österreich der Einstieg in eine wissenschaftliche Laufbahn wesentlich schwieriger als für ihre männlichen Kollegen. So verlief die wissenschaftliche Karriere bei Männern etwas geradliniger, wohingegen jene der Frauen von Brüchen (bspw. Ehe, Kinder etc.) gekennzeichnet war. Auch von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts war die Rede. Laut Univ. Prof. Dr. Amman wurde den Frauen in Österreich intellektuell weniger zugemutet, sodass das Geschlecht als geltendes Argument für den Ausschluss aus dem akademischen Arbeitsbereich galt. Zum Glück sind heutzutage solche Zustände weder im UK noch in Österreich der Fall.

    Unabhängig vom Geschlecht muss man sich als Forscher/Forscherin laut Univ. Prof. Dr. Amman mit unterschiedlichen Themenbereichen auseinandersetzen, wenn man eine Forschungskarriere anstrebt. Die Spezialisierung auf ein Themengebiet wäre eine fruchtbare Momentstrategie, sichere jedoch keine langfristige wissenschaftliche Karriere. Denn würde das Interesse an dieses Themengebiet schwinden, so hätte man Schwierigkeiten mit dessen Finanzierung und somit wäre auch die eigene wissenschaftliche Karriere gefährdet. Wenn man sich in der Forschungslandschaft behaupten möchte, so erfordert nicht nur die Erstellung einer Forschungsidee eine gewisse Raffinesse, sondern auch die Finanzierung sozialwissenschaftlicher Projekte. So muss ein/eine Wissenschaftler/Wissenschaftlerin ein Geschick für die Eintreibung finanzieller Ressourcen aufweisen. Früher war sowohl in Österreich als auch im UK die Eintreibung von Geldmitteln zum einen durch die geringere Anzahl an SozialwissenschaftlerInnen und Forschungsinstituten leichter und zum anderen kein so erschwerter und zeitaufwendiger Prozess in der Antragstellung. Durch den erhöhten Konkurrenzdruck und der äußerst bürokratischen Rahmung sozialwissenschaftlicher Forschung ist auch das interaktive und innovative Moment im Lehr- und Forschungsprozess verloren gegangen.

    Internationalität, Interdisziplinarität und wissenschaftliche Mobilität sind Schlagworte, die der immer noch steigenden Zahl an motivierten NachwuchswissenschaftlerInnen heute mit auf den Weg gegeben werden. Eine akademische Karriere findet heutzutage unter folgenden Bedingungen statt: Eine rege Publikationstätigkeit in bekannten Journals bzw. frei nach dem Motto „publish or perish“; Konkurrenzdruck und befristete Projektarbeit im Akkord. Trotz der erschwerten wissenschaftlichen Rahmenbedingungen wird gehofft, dass die goldenen Jahre der Sozialwissenschaft nicht vorüber sind und bald einen Aufschwung erleben.

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